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Ehrengast Baltikum

 

Baltikum – ein Name, der wie ein Rätsel klingt. Harmlos ist sein Ursprung und heftig das historische Gestrüpp, durch das immer wieder eines hervor leuchtet: unbändiger Willen zur Freiheit, zur staatlichen Selbstbestimmung. Aber noch viel mehr. Der Reihe nach und kurzgefasst als Hintergrund zu den Gastländern der Berliner Bücherinseln 2017:

Benannt ist das Baltikum nach der lateinischen Bezeichnung für die Ostsee mare balticum. Ob Hochmittelalter mit seinen Deutschen Ordensrittern, Lehnsherrschaft der Polen, Zarenherrschaft und Zwangseingliederung in die Sowjetunion 1940 bis 1990: Nie gaben die Menschen des Baltikum ihre Sehnsucht nach Unabhängigkeit auf. Am 23. August 1989 bildeten 2 Millionen von ihnen (Baltikum gesamt: 6 Millionen) die Baltische Kette, eine Menschenreihe über 600 Kilometer – angefangen von der estländischen Hauptstadt Tallinn, hin zur Mitte der Metropole von Lettland, Riga, bis in den Süden zur litauischen Hauptstadt Vilnius. Das Ergebnis ist bekannt, alle drei Baltenstaaten wurden 1990/91 staatlich unabhängig.

Viel gäbe es zu bedenken über die ökonomischen Schwierigkeiten der Anfangsphase, die demographischen Probleme (Bevölkerungsrückgang), die Schwierigkeiten in der Sozialwelt der Drei-Länder-Region (auch durch komplexe ethnische Fragen) – all das und viel mehr stellen wir zurück zugunsten des Blicks auf die gemeinsame Passion – die Kinder- und Jugendliteratur.

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Estland, estnisch: Eest
Historie stürmisch, landschaftlich wunderbar, kulturell dynamisch – so ist Estland (1,3 Mio. Einwohner, davon 71% Esten und 20% Russen). Das nördlichste Land des Baltikums liegt in einer strategischen Region: russische Grenze im Osten, Skandinavien im Norden sowie der Ostsee dazwischen bis in den Westen, im Süden Lettland. Touristen werden nicht nur von der modernen Metropole Tallinn mit ihrer mittelalterlichen Altstadt begeistert, sondern auch von der ursprünglichen Natur des Landes, den Wäldern und traditionellen Dörfern. Und von der neuen Welt: global die meisten Internetanschlüsse und digitale papierlose Verwaltung; aber ebenso vom kulturellen Erbe – siehe auch Literatur, die wieder aufblüht.

Lettland, lettisch: Latvija
Auch das Land im baltischen Zentrum hat eine ähnliche Geschichte  unbändigen Freiheitswillens. Nach ökonomischen, demographischen und sozialen Krisen am Start der Selbstständigkeit blicken die Letten (1,9 Mio. Einwohner: 62% Letten, 27% Russen) nun frohgemut in die Zukunft. Lettland gehört global zu den unternehmensfreundlichsten Ländern (Weltbank) und zu einem der erfolgreichsten Startup-Standorte Europas. Kulturell: Die Metropole Riga (Kulturhauptstadt Europas 2014) ist die größte auf dem Baltikum – ein Juwel des Jugendstils und des Nachtlebens, das wieder zum „Paris des europäischen Nordens“ werden will – auch im Bereich Literatur, die wieder beginnt, an ihre früher bedeutende Zeit anzuknüpfen.

Litauen, litauisch: Lietuva
Recht anders zeigt sich die Geschichte Litauens, dem größten und südlichsten Land des Baltikums. Zwar haben alle drei Staaten dieser Region die sowjetischen Besatzer nach dem 2.Weltkrieg ertragen müssen und abschütteln können. Doch die 2,9 Mio. Einwohner des Landes (Grenzen zu Lettland, Weißrussland, Polen, der russischen Exklave Kaliningrad sowie Ostsee) sind zu 84% Litauer und nur 5% Russen sowie 6% Polen. Ökonomisch geht es mit modernen Strukturen weiter aufwärts und auch kulturell: Litauen ist stolz auf klare Seen, alte Wälder und tolle Dünenstrände. Die Hauptstadt Vilnius (Unesco-Weltkulturerbe) vereint atemberaubende Romantik barocker Bauwerke und die Architektur des 21.Jahrhunderts.